Der Garten von Mies

Der Skulpturengarten

Denkmalpflegerisches Neuland betritt, wer sich mit der Epoche der 50er und 60er Jahre und deren Gartengestaltung beschäftigt. Der große Baumeister der Moderne, Mies van der Rohe setzte sich mit dem Bau der Neuen Nationalgalerie ein Gesamtkunstwerk, dessen untrennbarer Bestandteil die Gartenanlage ist. Aus welchen Himmelsrichtungen der Betrachter auch kommt, ihm bietet sich der Blick auf einen markanten Bau mit Symbolkraft als Eingangssignet des Kulturforums. Nicht wegzudenken ist das Bild des Vorplatzes vor dem Haupteingang, diese Terrasse mit Baum und Strauchgruppen und einer ruhigen Grünfläche am Reichpietsch Ufer. Die transparente Glashalle bildet einen beliebig gestaltbaren Ausstellungsraum, der die Wirkung der Kunstwerke vor dem wechselnden Hintergrund des Außenraums noch steigert.

Im gelungenen Kontrast hierzu steht der im Untergeschoß befindliche Museumstrakt und der versenkte, durch Mauern intim abgeschlossene Skulpturengarten an der Rückseite des Museums. Hier finden wir die besonders künstlerische Bedeutung der Freiflächen begründet in der Verbindung von Architektur, Kunst, Mensch und Natur. Die Kombination von Skulpturen so bekannter Künstler wie z.B. Henry Moore, George Rickey oder auch Alexander Calder, Sträuchern und Bäumen sowie der Architektur des Gebäudes schafft die Basis für Mies van der Rohes angestrebte „höhere Einheit“. Hierzu zählen auch die unregelmäßig rechteckige Form der Beete und die Art der Planzen, die wenigen, dafür aber hochwertigen Materialien z.B. Striegauer Granit für die bauliche Gartenausstattung (Bänke, Granitplatten, Brunnen).

Mies van der Rohes Gestaltungsprinzipien und Naturverständnis lassen sich in Europa nirgendwo so gut studieren wie bei der Neuen Nationalgalerie in Berlin. Die Reduktion auf ein gestalterisches Grundraster bestimmt Form und Größe von Gebäude, Terrasse und Skulpturengarten. Dies erleichtert die Orientierung und gibt den Maßstab, um die Dimensionen von Innen- und Außenraum zu erfassen.

Gebäude und Gärten wurden von Mies van der Rohe als Einheit betrachtet, der Museumsraum in den Gartenhof und zur Terrasse hin erweitert. Den Gegenpol zu seiner geometrischen Ordnung sollte die Pflanzen und Bäume bilden, die sich in ihrer natürlichen Wuchsform und ihren Farben frei entwickeln dürfen. Gerade der Baum und Solitärsträucher, die Mies van der Rohe maßgeblich mitbestimmte, spiegeln mit ihren überhängenden Zweigen (Acer saccharinum `Wieri`) zuweilen auch bizarr lockeren Habitus (Gleditsia triacanthos, Amelanchier lamarckii) und ihren leuchtenden Farben im Herbst, Mies van der Rohes Ansichten zur Verbindung von Natur und Architektur wider. Die betont schlichte Farbgestaltung seines Gebäudes sollte die Farbigkeit der Natur nicht übertönen.